Liebe Freunde, die mich begleitet haben; liebe Freunde, denen ich Begleiter sein durfte!
Das war ein Abschied, wie ich ihn mir gewünscht habe – voller Leben. Ja, er war wie das Leben. Alles war dabei, Sturm und Regen – so fing der Tag an. Es goss in Strömen. Wer würde bei dem Wetter kommen? Und wie so oft in Friedrichsfelde, eine Viertelstunde vor dem Gottesdienstbeginn waren so zwanzig Gemeindemitglieder da. Aber dann wurde Weihnachten. Das war die erste Überraschung: eine volle Kirche mit fröhlichen Menschen. Da war das kurze Gefühl der Trauer gleich wieder weg und ich wusste, dass es mich nicht übermannen würde. So viel Freude kann nicht durch einen Ruhestand verloren gehen. Ich war dankbar, dass ich die Jahre mit Ihnen gelebt habe, dass ich an Ihnen gewachsen bin, dass ich mich an Ihnen bilden konnte und dass ich viel verstehen lernte, was Menschen füreinander und für Gott sind.
Das war mir wichtig – mit Ihnen zusammen zu sein und einen richtigen Schlusspunkt zu setzen. Sie haben viele gute Worte gefunden, im Gottesdienst und nachdem wir miteinander den Gottesdienst und das Abendmahl gefeiert haben. Worte, die mich sehr bewegten und noch heute bewegen, wenn ich mir die Karten und Grüße noch einmal ansehe oder durch den Kopf gehen lasse.
Es ist ja doch eine lange Zeit gewesen, wo wir miteinander Leben geteilt haben. Zuerst mussten wir uns aneinander gewöhnen und verstehen lernen. Wir mussten aneinander lernen, dass jeder Mensch seine Lebensgeschwindigkeit hat und Einsichten zwar erhellend sind, doch um Änderung wagen zu können muss auch Zeit vergehen können. Und manchmal will man dann wieder zu den Fleischtöpfen Ägyptens zurück – der zugeteilte Topf war doch sicherer als gar keiner. Ich schließe mich in diese Gedanken durchaus mit ein. Dann heißt es eben noch einmal zurück zu gehen und den der nicht so schnell kann, wieder mitzunehmen.
Dann wurde ich selber ja auch älter. Was meinen Sie, wie erstaunt ich war, als ich von unserer Gemeinde einen Geburtstagsbrief bekam – ich war nun Senior. Dass mich von den Jüngeren einiges unterschied, in der Art und Weise Leben zu gestalten, das blieb mir ja nicht verborgen. Aber es braucht solche Aha Punkte, um es „Wirklichkeit“ werden zu lassen. Es gelangen mir auch Dinge, die ich mir vorher nur schwer vorstellen konnte. Es gelang mir, Prozesse zu sehen, die ich vorher übersehen hatte oder nicht ernst nahm. Nein, keine Müdigkeit, sondern vielmehr andere Wichtigkeiten bestimmten die letzten Jahre.
Sie waren geduldig mit mir und das gegenseitige Verstehen wuchs. Das war mir eine besondere Freude, dass ich aus allen vier Gemeindebezirken solche Rückmeldungen bekam, die von gegenseitiger Achtung sprachen. Ja, manchmal sind wir uns auch gegenseitig ans Herz gewachsen (welch schöne Redewendung), waren ganz nah am gemeinsamen Leben, an der gemeinsamen Begeisterung, manchmal sogar in der Nähe Gottes. Für diese Fülle des Lebens, die ich mit Ihnen hatte ist meine Dankbarkeit groß.
Dankbar bin ich natürlich auch denen, die ich nur bitten brauchte zu helfen und die sich nicht lange bitten ließen – nicht zuletzt auch für diese Abschiedsstunden. Ein Jahreskalender aus dem Kindergarten wird mich noch zwölf Monate begleiten und die Kinderstimmen, die meine wunderschönen Beine besangen. Es war alles mit viel Liebe vorbereitet und begleitet. Eine tolle Überraschung war dann natürlich auch, dass mich der Friedhofsverbund mit seinen Mitarbeitern auf Reisen schickte. Wir haben immer wieder an Euch gedacht und waren fröhlich dass es euch gibt.

Ihnen allen, Euch allen, wünschen meine Frau Petra Maria und ich die Nähe Gottes und seinen Segen...
…...und ein herzliches Dankeschön