Die Bibel und der Mythos Babylon
Im Pergamonmuseum war dieses Jahr die Ausstellung «Babylon. Mythos und Wahrheit» zu sehen. Die große Resonanz, die die Ausstellung fand - nach Angaben der Staatlichen Museen zu Berlin kamen zu der dreimonatigen Schau insgesamt 540 000 Besucher - hat vielen Menschen auch noch einmal bewußt gemacht, wie sehr unser kulturelles Wissen durch die Bibel geprägt worden ist.
Das hat auch dazu geführt, dass nicht das reale Babylon, sondern der "Mythos Babylon" unsere Assoziationen und Vorstellungen geprägt hat. Und es gibt wohl keinen Gegenstand der Historie, in dem Realität und Mythos weiter voneinander entfernt sind, als es bei Babylon der Fall ist. Seinen Ursprung nimmt der Mythos in jenem Ereignis 587 v.Chr., als Babylon unter Nebukadnezar Jerusalem eroberte und die jüdische Oberschicht nach Babylon deportierte. Hier an den "Wassern zu Babylon" in Auseinandersetzung mit der babylonischen Kultur wurden jene Deutungsmuster geprägt, die auch heute noch präsent sind. Hier liegen auch die Wurzeln jüdischer Theologie, ihres radikalen Monotheismus, sowie die Anfänge unser Bibel.
Ich möchte Sie deshalb an drei Abenden einladen, den Facetten des Mythos Babylon nachzuspüren. Der Turm zu Babylon, der für menschliche Hybris steht, wird uns begegnen, wie die "Hure Babylon", die in der apokalyptische Literatur das Gegenbild zum himmlischen Jerusalem liefert, und Martin Luther von der "Babylonischen Gefangenschaft" der Kirche sprechen läßt, aber auch noch im Reggae Bob Marleys die Welt im Babylon-System gefangen sieht. Und es wird dem Königsbild Nebukadnezars nachgegangen, das seinen Niederschlag nicht nur in der Königsideologie des "Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation" fand, sondern, ganz anders gewendet, auch bei Saddam Hussein.
Die Abende finden jeweils am letzten Mittwoch des Monats, also am 28. Januar, 25. Februar und 25. März jeweils um 19.30 Uhr im Lothar-Kreyssig-Haus in der Lehndorffstr., statt.
Edgar Dusdal