Bonhoeffers Vision einer "Kirche für andere"

In der Evangelischen Kirche gibt es gegenwärtig Diskussionen um ihren künftigen Weg. Der Abwärtstrend soll gestoppt werden. Es wird zu einem "Mentalitätswandel" (gemeint sind damit vor allem Effektivitätssteigerungen) aufgerufen. Zuwenig wird nach einer grundsätzlichen Erneuerung gefragt. Wir möchten uns an der Suche nach Visionen, die eine Überzeugungskraft haben, beteiligen. Unseres Erachtens gehört Bonhoeffers "Kirche für andere" zu diesen Visionen. Wir laden herzlich zu drei Gesprächsabenden ein, die sich damit beschäftigen.
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Am ersten Abend (27. Januar 2010) soll die Biographie Dietrich Bonhoeffers (1906-1945) vorgestellt werden. Bei Bonhoeffer sind Theologie und Biographie besonders eng miteinander verschränkt. Seine theologischen Gedanken entstehen in konkreten biographischen Situationen. Sie zielen darauf ab, auf kirchliche und politische Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Sie sind eine Form des Wahrnehmens von christlicher Verantwortung (Denken "im Dienste des Tuns").
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Am zweiten Abend (24. Februar 2010) soll Bonhoeffers Kirchenvision im Mittelpunkt stehen:
"Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Um einen Anfang zu machen, muß sie alles Eigentum den Notleidenden schenken. Die Pfarrer müssen ausschließlich von den freiwilligen Gaben der Gemeinde leben, eventuell einen weltlichen Beruf ausüben."
Hinter diesen provozierenden Sätzen steht eine theologische Gesamtkonzeption, die erläutert werden muss.
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Am dritten Abend (24. März 2010) geht es um die Frage: Welche Konsequenzen sind aus Bonhoeffers Kirchenvision für die Gegenwart und für die zukünftige Gestalt unserer Kirche zu ziehen? Sind wir auf dem Weg von einer Volkskirche zu einer Gemeindekirche? Jedenfalls war für Dietrich Bonhoeffer die zentrale Bezugsgröße unter allen kirchlichen Lebensformen die Gemeinde. Er konnte die Gemeinde sogar mit dem gegenwärtigen Christus gleichsetzen ("Christus als Gemeinde existierend").
Alle drei Abende werden mit einem nicht zu langen Einführungsreferat beginnen. Daran soll sich eine lebhafte Aussprache anschließen. Das Gespräch ist besonders wichtig. Nur im Dialog werden wir neue Wege entdecken. Auch diejenigen, die kritische Fragen mitbringen, sind uns herzlich willkommen. Wir brauchen den Blick von außen. Wir wünschen uns, dass sowohl Gemeindeglieder als auch Menschen, die nicht der Gemeinde und Kirche angehören, an den Gesprächen teilnehmen.
Durch die Abende wird uns Dr. Karl Martin führen, der uns als Vorsitzender des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins auf fundierte Weise mit auf den Weg in die Gedankenwelt und Theologie Dietrich Bonhoeffers nehmen wird. Gleichzeitig sollen, wie angekündigt, die Abende auch ein Angebot sein, um über Funktion und Aufgabe von Kirche und Gemeinde heute nachzudenken.
Pfarrer Edgar Dusdal