Paul-Gerhardt-Gemeinde/Berlin-Lichtenberg

Suche:

Mord im Namen Gottes - Judith und Holofernes

Caravaggio: Judith und Holofernes
 
 
In der katholischen Bibel ist es enthalten. Jedoch nicht in der hebräischen oder lutherischen Bibel: Das Buch Judith, das die Geschichte der schönen Witwe Judith aus Betulia und  ihrem Tyrannenmord an dem assyrischen General Holofernes erzählt, durch den sie zur Retterin Israels wurde. Auch wenn die Geschichte nur vage historische Anknüpfungspunkte bietet, mehr Bekenntnis- und Glaubensliteratur als historischer Bericht sein will, auch wenn Luther sie aus dem Kanon der heiligen Schriften ausschloß, so ist die Wirkungsgeschichte dieses Buches ungemein.
 
 
An drei Abenden will ich Sie einladen, nicht nur das Buch Judith kennen zu lernen – verbunden mit der Auseinandersetzung mit dem  religiös motivierten Tyrannenmord -,  sondern auch, um seiner Wirkungsgeschichte nachzugehen. Jede Zeit hatte ihr Judithbild. Aus der tugendhaften Witwe, der vorbildhaften gottesfürchtigen Bekennerin wurde im letzten Jahrhundert die femme fatale. Diese mehr als seltsame Karriere nach zuerleben, dazu will ich Sie einladen. Die Reise bezieht Literatur, Plastik und Malerei ein. Wir werden Hebbels und Hochhuts Judithdramen streifen, Prudentius begegnen, den Wechsel von Judith, dem Opfer, zu Judith, der Täterin verfolgen, Gemälden mittelalterlicher Maler begegnen und uns besonders mit Donatellos, Caravaggios, Artemisia Gentileschis aber auch Gustav Klimts und vielen anderen Judithdarstellungen auseinandersetzen. Judith wurde zur Projektionsfläche ihrer jeweiligen Zeit, ihrer Werte und Unwerte. Ob als Vorbild im Aufruf zum Tyrannenmord an protestantischen Herrschern in der Zeit der Gegenreformation oder als männliches Angstbild vor allem Weiblichen.

Die Abende finden am
 
  • 14. April 2010,
  • 12. Mai 2010 und
  • 9. Juni 2010

jeweils um 19.30 im Lothar-Kreyssig-Haus, Lehndorffstr. 11-15, statt.

Pfarrer Edgar Dusdal