Paul-Gerhardt-Gemeinde/Berlin-Lichtenberg

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Familientreffen

Bach-Noten
Carl Philipp Emanuel Bach, einer der komponierenden Söhne Johann Sebastian Bachs, wurde von Prinzessin Anna Amalia – der Auftraggeberin unserer Karlshorster Orgel – sehr geschätzt. In einem Brief an deren Lehrer Philipp Kirnberger nennt C. Ph. E. Bach Anna Amalia „unsere große Prinzessin”. 1767 erhielt er von ihr den Titel des Hofkapellmeisters. Kompositionen von Carl Philipp erklingen aus diesen Gründen oft in der Kirche Karlshorst, und wir fühlen uns der Aufführung von Werken der nachbachschen Generation in besonderer Weise verpflichtet.  
 
Am Sonntag, den 29. Juni wird nun der Kreis der Bach-Musiker erweitert. Ein ganzes Chor-/ Orchesterkonzert widmet sich Werken von Mitgliedern der Bach-Familie. Im 16. Jahrhundert ließ sich Veit Bach aus Ungarn kommend in Thüringen nieder. Hier können wir nun ein sich ausbreitendes Geschlecht von Musikern dieser Familie Bach beobachten. Sie lebten in Thüringen oder Franken, in der Folgegeneration des Johann Sebastian dann auch weitere Kreise ziehend z. B. in Halle, Berlin, Hamburg, London. Solch starke und vielfältige Kompositions-Begabungen wie die der Familie Bach sucht man in anderen Musikerfamilien vergeblich. Die Blütezeit der Bachs als Komponisten fällt erstens in die frühbarocke Zeit (z. B. Johann Michael, Johann Christoph - Musik, die der Schützschen Tonsprache verwandt ist), zweitens in die hochbarocke Zeit mit dem allergrößten Vertreter Johann Sebastian und drittens in die spätbarocke/frühklassische Zeit (z. B. die Söhne Carl Philipp, Johann Christian). Als letzter Vertreter der Familie versucht sich noch Wilhelm Friedrich Ernst – Sohn des sogenannten „Bückeburger Bach“ Johann Christoph Friedrich und Enkel von Johann Sebastian –im Komponieren; nach dessen Tod im Jahr 1845 ist die Musikerlinie der Bachs erloschen.
 
In unserem Chor-/Orchesterkonzert kommt Musik dreier Bachgenerationen zum Erklingen.
Johann Christoph Bachs Werk “Die Furcht des Herren ist der Weisheit Anfang“ für Soli, Chor und Orchester ist noch der Schützschen Tonsprache verpflichtet. Johann Michael Bachs Aria „Ach, wie sehnlich wart ich“ für Sopran-Solo und Instrumente bestätigt den außerordentlichen Ruf dieses Gehrener Musikers.
Ein Feuerwerk protestantischer Barockmusik erwartet uns bei Johann Ludwig Bachs Missa brevis „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ für Soli, Chor und Orchester, genauso wie natürlich bei Johann Sebastian Bachs Kantate „Lobe den Herren“, die das Konzert festlich abschließen wird.
Bachs Söhne kommen mit Carl Philipp Emmanuel Bachs „Sanctus“ für Soli, Chor und Orchester und einem eleganten Concerto des Johann Christian Bach (jüngster Bachsohn und als „Londoner Bach“ bezeichnet) für Orchester und obligate Orgel zu Wort.
Die Zusammenstellung dieses Bach-Programms ist für alle Vorbereitenden eine große und wunderschöne Aufgabe, denn hier können wir neben dem großartigen Verkündigungscharakter dieser Musik ein bewegendes Stück Musikgeschichte spiegeln. Wir wünschen uns guten Besuch trotz des etwas ungünstigen Sommertermins – die Chance, solch geballte Bachmusik zu hören, ist einzigartig!
Von der Familie Bach wird berichtet, dass sie jährlich ein großes Familientreffen in Thüringen veranstaltete, denn die familiären Bande der Bachs waren eng und herzlich. Es soll ein großes, fröhliches Treiben gewesen sein, natürlich mit einer Unmenge an nicht nur ernster Musik, wie der erste Bachbiograph Forkel zu berichten weiß. Wenn wir uns am 29. Juni in der Karlshorster Kirche versammeln, um mehrere Generationen der Bachfamilie zu Wort kommen zu lassen – dann ist dies wohl auch eine Art Familientreffen.
 
Wir laden Sie herzlich zum Mitfeiern ein! Und hier noch einmal das vollständige Programm.
 
Kantorin Beate Kruppke