60 Jahre Posaunenchor
Am Sonntag Trinitatis, dem 18. Mai 2008, soll in der Erlöserkirche im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes „60 Jahre Posaunenchor“ gefeiert werden, am 25. Mai 2008 dann auch im Gottesdienst in Karlshorst. Dass dieses Jubiläum gefeiert werden kann, ist dem Wirken und der Existenz der Posaunenchöre in den früheren Kirchengemeinde Erlöser und Karlshorst zu verdanken.
Über die Anfänge und das erste Auftreten des Karlshorster Posaunenchores hat Günther Mai 1995 in der zur 100-Jahrfeier von Karlshorst erschienenen Schrift „Zur frohen Botschaft…“ im Beitrag „Lobt den Herrn mit Posaunen“ (S. 35) u.a. geschrieben: „Mit dem Dankchoral: ‚Danket dem Herrn’ (EG 333) blies der Posaunenchor zur Wiedereröffnung des Karlshorster Gemeindehauses 1951. Es war gerade erst von Pfarrer von Holst ins Leben gerufen worden… Er spielte selbst mit. Ich bildete die ersten Bläser aus.“ Was er damals über die Arbeit dieses Chores bis zur Fusion „mit den Bläsern der Erlöser-Gemeinde Lichtenberg“ im Jahr 1972 und darüber hinaus geschrieben hat, wird bis zum 100. Kirchweihfest der Karlshorster Kirche im Jahr 2010 zu vertiefen sein.
Entsprechendes gilt für den Posaunenchor von „Erlöser“. Dort hat es bereits von 1938 – 1942 einen Posaunenchor gegeben. Diese Arbeit ist 1942 kriegsbedingt zum Erliegen gekommen. 1946/47 haben Gottfried Kunzendorf, Georg Detert und Horst Näther den Chor neu gebildet und erweitert.
Die 1950er Jahre sind ein Höhepunkt in der Arbeit beider Posaunenchöre gewesen. Bis 1960, als die 1956 wieder eingeweihte Karlshorster Kirche die berühmte „Amalien-Orgel“ geschenkt bekam, „erklang“, so schreibt Günther Mai, „in fast jedem Gottesdienst Posaunenmusik im Wechsel mit Gesangs- und Trompetenbegleitung vom Harmonium…“
Der Posaunenchor von Erlöser hatte nach 1950 ein solch hohes Niveau erreicht, dass seine Mitwirkung zu Höhepunkten anderer Gemeinden erbeten wurde, bis hin zur Verstärkung des in der Marienkirche eingesetzten Chores bei den Predigten von Bischof Dr. Dibelius (zuletzt am 6. August 1961).
Die 1960 er Jahre brachten beiden Posaunenchören Niedergänge. Bis zum 13. August 1961 sind für uns wichtige Bläser in die „alte“ Bundesrepublik geflohen. Andere verließen unsere Ortsteile, um anderorts zu studieren oder eine andere Ausbildung zu beginnen. Hinzu kamen die für die Kirche negativen Folgen der Jugendweihe-Kampagne der SED.
1972 ist Manfred Rohrpasser mit den Seinen von Rummelsburg nach Karlshorst in die Nähe der Kirche gezogen. Dadurch verlor Erlöser seinen führenden Trompeter, der in Karlshorst hoch willkommen war. So kam es zum pragmatischen Entschluss der übrig gebliebenen Bläser beider Chöre, die Arbeit gemeinsam fortzuführen. Die Leitung des vereinigten Chores übergab Günther Mai, der bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden um 2005 eine „Säule“ des Chores geblieben ist, an Manfred Rohrpasser. Seitdem betreuen wir insbesondere diese beiden früheren Kirchengemeinden. Das Blasen in Gottesdiensten, bei Gemeindefesten und Dampferfahrten und auch auf Einladung in anderen Gemeinden hat unsere Arbeit geprägt. Bis zum Ende der 1980er Jahre haben wir einmal im Monat abwechselnd die Kantoren Iskraut und Münch zur Leitung von Posaunenchorproben eingeladen. Das hat uns bereichert und gefördert. Seit 1990 ist die Zahl der Bläser weiter gewachsen und damit wurde auch eine Steigerung des Niveaus erreicht. Seit dieser Zeit haben neue, bis dahin in Posaunenchören ungewohnte Rhythmen und Stile in das Repertoire auch unseres Chores Einzug gehalten. Besonders die Karlshorster Straßenfeste zeugen davon; aber auch in „normalen“ Gottesdiensten ist das spürbar – nicht zuletzt durch mancherlei „neue“ Lieder im Ev. Gesangbuch, das 1993 auch in Berlin-Brandenburg als Gemeindegesangbuch eingeführt wurde.
Seit der Bildung der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lichtenberg im Jahr 2001 bemühen wir uns, möglichst die Gemeindebezirke Friedrichsfelde und „Zur Barmherzigkeit“ in unsere Aktivitäten mit einzubeziehen, und auch übergemeindlich wird unsere Mitwirkung immer wieder erbeten. So zu den in zweijährigem Abstand stattfindenden Kreisposaunenfesten und den Kreiskirchentagen unseres 1999 gebildeten Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree. Beim ersten ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin haben wir u.a. am Eröffnungstag und beim Schlussgottesdienst mitgeblasen.
Die vorläufig letzte Probe unserer Leistungsfähigkeit haben wir in verstärkter Besetzung am 27. Januar 2008 in der Erlöserkirche beim Dankesgottesdienst zur (vorläufigen) Beendigung der Renovierung und Restaurierung der Erlöserkirche gegeben. Manfred Rohrpasser hat sich hierbei erneut bei der Gewinnung geeigneter Bläserinnen und Bläser zur Verstärkung bewährt. Erneut soll das am 18. Mai in Erlöser und am 25. Mai in Karlshorst geschehen, und unser nächster wichtiger übergemeindlicher Einsatz soll durch unser Mitblasen beim Kreiskirchentag am 6. Juli 2008 erfolgen.
Günther Mai hat 1995 seinen Bericht mit dem Satz beschlossen: „Wir sind dankbar, dass wir mit unserem Musizieren zum Lobe Gottes beitragen können.“ Dieser Satz hat nichts von seiner Richtigkeit verloren. Ebenso gilt insbesondere seit Johannes Kuhlos Zeiten die Aufforderung aus Psalm 150,3 bis heute: „Lobet den Herrn mit Posaunen…“
Max-Ottokar Kunzendorf, 31. Januar 2008