Paul-Gerhardt-Gemeinde/Berlin-Lichtenberg

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Bläserjubiläum - 40 Jahre gemeinsames Blasen

 

 

 



 


Am Sonntag Exaudi, dem 20. Mai, soll in der Kirche Karlshorst im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes ein Jubiläum gefeiert werden: Vor 40 Jahren schlossen sich die Bläserchöre der Erlösergemeinde und der Karlshorster Kirchengemeinde zusammen. Beide Gemeinden liegen im Gebiet unserer heutigen Paul-Gerhardt-Gemeinde. Zum damaligen Zeitpunkt dachte natürlich noch keiner an eine Gemeindefusion, die inzwischen auf 10 Jahre ihres Bestehens zurückschauen kann. Wie kam es aber im Jahr 1972 zu der Überlegung, im Bläserbereich zusammenzuarbeiten?

In der Erlöserkirche war bereits 1938 ein Bläserchor gegründet worden. Er existierte bis zum Jahr 1942, konnte aber in den Zeiten der Kriegsnöte nicht mehr bestehen. Doch schon 1946 wurde die Bläserarbeit an der Erlöserkirche wieder aufgenommen. Ein durchgängig blasfähiger Chor ist seit 1948 gesichert. Gottfried Kunzendorf, Georg Detert und Horst Näther hielten nun die Geschicke des Chores in Händen. Ihnen ist es zu verdanken, dass es damals wieder losgehen konnte: das Blasen zur Ehre Gottes in Gottesdiensten, auf Gemeindefeiern und zu diakonischen Einsätzen. Doch war da nicht auch ein junger Spund, der mit 12 Jahren angefangen hatte zu blasen? Manfred hieß er, und Weihnachten 1949 blies er 13-jährig erstmals öffentlich mit.
Unvergesslicher Höhepunkt war das Blasen in der Marienkirche bei den Predigten von Bischof Dr. Dibelius in der Nachkriegszeit und bis zum Jahr 1961. Das Jahr 1961 ist aber auch zu nennen, wenn es um die Nöte der Chorbesetzung geht, denn immer wieder verlor der Bläserchor junge Menschen aus seinen Reihen, weil sie in den westlichen Teil Deutschlands umsiedelten. Auch Ängste vor staatlichen Repressalien konnten dazu führen, dass manch einer sich nicht mehr zur Bläserarbeit der Kirche hielt.
Im Jahr 1972 war der junge Manfred – wer ahnt es nicht, dass es um Manfred Rohrpasser geht? – fest etabliert im Bläserchor der Erlöserkirche. Er bläst ja nun schon über 20 Jahre die Trompete und ist eine wichtige Kraft. Als Manfred Rohrpasser nun mit Familie nach Karlshorst ganz in die Nähe der dortigen Kirche zieht, verlieren die Erlöserbläser ihren wichtigsten Trompeter, der sich nun bei den Karlshorstern ansiedelt.

Der Karlshorster Bläserchor war im Jahr 1951 gegründet worden. Pfarrer von Holst hatte ihn ins Leben gerufen. Günther Mai bildete die ersten Bläser aus und war von der ersten Stunde an über viele Jahrzehnte wichtiges Mitglied des Chores. Er starb im Jahr 2009, bis zum Jahr 2005 blies er mit im Chor. Bald nach der Gründung schon blies der Chor zur Wiedereröffnung des Karlshorster Gemeindehauses in der Eginhardtstraße im Jahr 1951. Einige Jahre später, 1955, wurde die Kirche in der Weseler Straße an die Gemeinde zurückgegeben, die seit Kriegsende von der sowjetischen Besatzungsmacht genutzt worden war. An eine Orgel war in den ersten Jahren noch nicht zu denken, so dass - Zitat Günther Mai - "in fast jedem Gottesdienst Posaunenmusik im Wechsel mit Gesangs- und Trompetenbegleitung vom Harmonium erklang".

1972 kam es nun zum Entschluss der Bläser beider Chöre, die Arbeit gemeinsam fortzuführen. In einer größeren Besetzung ließ es sich besser proben, und das öffentliche Blasen gewann an Glanz. So hatten auch die Erlöserbläser ihren "Manne" wieder. Manfred Rohrpasser übernahm bei dieser Zäsur die Leitung des vereinigten Chores, die Günther Mai ihm übertragen hatte. Max-Ottokar Kunzendorf (gest. 2010), langjähriger Bläser und verdienter Kreisarchivar des Kirchenkreises schrieb im Jahr 2008 aus Anlass des 60-jährigen Bläserjubiläums: "Das Blasen in Gottesdiensten, bei Gemeindefesten und Dampferfahrten und auch auf Einladung in anderen Gemeinden hat unsere Arbeit geprägt. … Seit 1990 ist die Zahl der Bläser weiter gewachsen, und damit wurde auch eine Steigerung des Niveaus erreicht. Seit dieser Zeit haben neue, bis dahin in Posaunenchören ungewohnte Rhythmen und Stile in das Repertoire auch unseres Chores Einzug gehalten. Besonders die Karlshorster Straßenfeste zeugen davon; aber auch in 'normalen' Gottesdiensten ist das spürbar."
Besonders anzuerkennen ist, dass der Bläserchor jede der 3 Predigtstätten unserer Großgemeinde Paul-Gerhardt treu und verantwortungsbewusst versorgt. Die Bläser blasen, wo immer sie gebraucht werden. Wahrscheinlich waren die Bläser mit dem übergemeindlichen Gedanken so vertraut, dass sie so offen auf die neue Struktur reagierten. Sie sind damit Vorreiter und Vorbild: engagiert, flexibel und uneigennützig in der Gemeinde unterwegs sein.

Ohne die Kraft und den Geist, den Manfred Rohrpasser in die Bläserarbeit hinein gibt, wäre dies alles gar nicht denkbar. Er hält den Chor zusammen. Er baut ihn weiter auf, indem er Jungbläser ausbildet. Er hält Kontakt zu den Kantoren für die Koordination der Dienste. Er ist Bindeglied für die Planung und Durchführung der beliebten „Adventsmusik im Kerzenschein“ mit Kantorei und Bläsern. Er kümmert sich um die Bläsereinsätze außerhalb der Gemeinde, wenn es Termine im Kirchenkreis oder in der Landeskirche gibt. Er wirbt befreundete Bläser aus anderen Chören zum Mitblasen, wenn es um größere Einsätze geht. Er schreibt Pläne. Er kümmert sich um die Notenbeschaffung. Er schleppt Koffer mit Notenständern.
Das Bläserjubiläum gibt uns Anlass zu großer Freude über alle geleistete und gelungene Arbeit. Allen Bläsern und ihrem Leiter Manfred Rohrpasser sagen wir ein herzliches Dankeschön für ihr unermüdliches Engagement. Woher kommt die Kraft dafür? Ganz sicher aus dem Gedanken des Dienstes für die Menschen und für Gott. Und so mögen unsere Bläser weiterhin fröhlich und unüberhörbar unsere Gottesdienste bereichern, ganz im Sinne des Liedes „Danket dem Herrn“ EG 333:

1. Danket dem Herrn! / Wir danken dem Herrn, / denn er ist freundlich, /
und seine Güte währet ewiglich, / sie währet ewiglich, / sie währet ewiglich!
2. Lobet den Herrn! / Ja, lobe den Herrn / auch meine Seele; / vergiss es nie,
was er dir Guts getan, / was er dir Guts getan, / was er dir Guts getan!

Das Frühjahr 2012 gibt Anlass, dankbar zurückzuschauen. Es gibt auch Anlass, Abschied zu nehmen und nach vorne zu schauen. Nach 40 Jahren Bläserchorleitung will Manfred Rohrpasser die Leitung des Chores in jüngere Hände übergeben. Wir freuen uns, dass "Manne" weiter im Chor blasen wird. Ein in Kürze folgener gesonderter Artikel wird sich der Beendigung der Bläserleitung durch Manfred Rohrpasser sowie der Würdigung seiner Person widmen. Wir wollen dann auch erzählen, wie es weitergehen soll und werden die neuen Bläserchorleiter vorstellen.

 

Kantorin Beate Kruppke