Vom mittelalterlichen Rosenfelde zu Friedrichsfelde
Die Geschichte von Kirche und Gemeinde reicht bis in die Anfänge des heutigen Ortsteils zurück. 1265 wurde das Dorf Rosenfelde erstmals urkundlich erwähnt. Siedler vom Niederrhein, aus Westfalen und dem Fläming hatten sich hier niedergelassen; zum Dorf gehörten bereits eine Kirche und ein Kirchplatz.
1319 gingen Patronat und Rechte am Dorf an die Städte Berlin und Cölln über. Damit begann schon früh die enge Verbindung des Ortes mit der späteren Stadt Berlin. 1699 erhielt Rosenfelde schließlich seinen heutigen Namen: Friedrichsfelde.
Im 19. Jahrhundert prägte unter anderem die Familie von Treskow die Entwicklung des Ortes. In ihrem Auftrag gestaltete der berühmte Gartenkünstler Peter Joseph Lenné den Schlosspark Friedrichsfelde. Aus diesem Park entwickelte sich später der heutige Tierpark Berlin.
Eine neue Kirche – und ihre Zerstörung
Mit dem Wachstum Friedrichsfeldes reichte die alte Dorfkirche schließlich nicht mehr aus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand von 1887-1890 neben der ursprünglichen, mittelalterlichen Kirche ein größerer Kirchenbau aus rotem Backstein; der alte Kirchenbau wurde abgerissen.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch hier schwere Schäden. 1945 war die Kirche weitgehend zerstört. Doch schon wenige Jahre nach Kriegsende begann die Gemeinde mit dem Wiederaufbau.
Unter Leitung des Architekten Herbert Erbs entstand von 1950 bis 1952 auf den Resten des Vorgängerbaus die heutige Kirche. Sie wurde kleiner und schlichter als ihre Vorgängerin gestaltet und bietet etwa 500 Menschen Platz. Am 1. Advent 1952 konnte die wiederaufgebaute Dorfkirche schließlich eingeweiht werden.
Eine Dorfkirche zwischen Großwohnbauten
In den folgenden Jahrzehnten veränderte sich Friedrichsfelde grundlegend. Rund um den historischen Dorfkern entstanden in den 1970er- und 1980er-Jahren große neue Wohngebiete. Die kleine Kirche, die einst das Ortsbild mitbestimmt hatte, fand sich nun zwischen wesentlich höheren Wohnhäusern wieder.
Gerade dieser Gegensatz macht ihren besonderen Charakter bis heute aus. Kirche, Dorfanger und die alten Bäume bewahren mitten im dicht bebauten Friedrichsfelde ein Stück des historischen Ortskerns und schaffen einen ruhigen Ort inmitten der Großstadt.
Ein Ort der DDR-Opposition
In den 1980er-Jahren wurde die Dorfkirche zugleich zu einem Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung. 1984 gründete sich in der Gemeinde der Friedenskreis Friedrichsfelde, der eng mit anderen Gruppen der DDR-Opposition verbunden war.
Hier wurde über Frieden und Abrüstung, Menschenrechte, Umweltfragen und gesellschaftliche Veränderungen diskutiert. Der Friedenskreis organisierte Seminare und Veranstaltungen und gab ab 1987 mit dem „Friedrichsfelder Feuermelder“ eine eigene Untergrundzeitschrift heraus. Die Staatssicherheit beobachtete und unterwanderte die Arbeit der Gruppe.
Aus dem Umfeld des Friedenskreises engagierten sich später mehrere Menschen bei den politischen Veränderungen des Jahres 1989. Damit wurde die Friedrichsfelder Gemeinde in den letzten Jahren der DDR weit über den Ortsteil hinaus zu einem Treffpunkt für Menschen, die nach neuen gesellschaftlichen Wegen suchten.
An diese besondere Geschichte erinnert heute eine Hörstation in der Kirche.
Die Kirche heute
Nach der Wiedervereinigung wurde die Kirche weiter instand gesetzt. Anfang der 1990er-Jahre erfolgten umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten, 1999 wurde die Schuke-Orgel generalüberholt.
Seit 2001 gehört die Dorfkirche zur Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lichtenberg. Gemeinsam mit den Kirchen in Karlshorst und Rummelsburg ist sie heute einer unserer drei Kirchenstandorte.
Direkt neben der Kirche befinden sich Gemeinderäume und das zentrale Gemeindebüro der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde. So ist der historische Dorfanger bis heute ein lebendiger Ort von Kirche und Gemeinde.