Eine Kirche für den jungen Ort Karlshorst
Als die Kolonie Karlshorst 1895 gegründet wurde, gehörten die evangelischen Christinnen und Christen zunächst zur Kirchengemeinde Friedrichsfelde. Aufgrund des weiten Weges nutzen sie zeitweise auch den Kaiserpavillion der Rennbahn an er Mündung von der heutigen Lehndorff- und Wandlitzstraße.
Mit dem Wachstum des neuen Ortsteils entstand bald der Wunsch nach einer eigenen Kirchen. Nach Plänen der Architekten Peter Jürgensen und Jürgen Bachmann wurde sie in den Jahren 1909 und 1910 errichtet und am 8. Mai 1910 eingeweiht. Der markante Kirchturm prägt mit seinen 56 Metern bis heute das Ortsbild.
Krieg, Beschädigung und zehn Jahre ohne Kirche
Schon wenige Jahre später hinterließ der Erste Weltkrieg seine Spuren: 1917 mussten die drei Bronzeglocken der Kirche abgegeben werden. Nach Kriegsende sammelte die Gemeinde für ein neues Geläut. Drei neue Glocken konnten schließlich 1922 in einem Festgottesdienst eingeweiht werden.
Der Zweite Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt für Karlshorst und seine Kirchengemeinde. Durch Bombenangriffe und Granatbeschuss wurde die Kirche beschädigt, blieb in ihrer Bausubstanz jedoch weitgehend erhalten.
Nur wenige hundert Meter entfernt wurde im Mai 1945 im heutigen Museum Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Große Teile Karlshorsts wurden anschließend zum sowjetischen Sperrgebiet; viele Bewohnerinnen und Bewohner mussten ihre Häuser kurzfristig verlassen.
Auch die Kirchengemeinde verlor den Zugang zu ihrer Kirche: von 1945 bis 1955 nutzten die sowjetischen Streitkräfte das Gebäude als Speicher und Pferdestall. Die ursprüngliche Sauer-Orgel der Kirche ging in dieser Zeit verloren.
Am 23. Mai 1955 wurden die Kirche und die angrenzenden Gebäude schließlich an die Kirchengemeinde zurückgegeben; es folgten umfangreiche Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten. Am 15. Juli 1956 wurde die Kirche durch Bischof Otto Dibelius wieder eingeweiht und erhielt ihren heutigen Namen: „Zur frohen Botschaft“.
Die Amalienorgel kommt nach Karlshorst
Ein besonderer Moment in der Geschichte der Kirche folgte 1960: nachdem die ursprüngliche Orgel verloren gegangen war, erhielt die Gemeinde ein außergewöhnliches historisches Instrument: die Amalienorgel.
Sie wurde von 1753 bis 1755 von Johann Peter Migendt für Prinzessin Anna Amalia von Preußen, die jüngste Schwester Friedrichs II., erbaut. Ursprünglich stand sie im Berliner Stadtschloss und wechselte im Laufe ihrer Geschichte mehrfach ihren Standort. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs überstand sie – anders als viele andere historische Berliner Instrumente.
Am 19. Juni 1960 wurde die Amalienorgel in der Karlshorster Kirche eingeweiht. Sie gilt heute als die älteste weitgehend original erhaltene Orgel Berlins und als eine der bedeutendsten historischen Orgeln der Stadt. Von 2009 bis 2010 wurde sie umfassend restauriert. Bis heute erklingt sie regelmäßig in Gottesdiensten und Konzerten.
Kirche und Gemeinde heute
Auch das Kirchengebäude selbst wurde über die Jahrzehnte immer wieder instand gesetzt und erneuert. Mit der umfassenden Renovierung des Innenraums, die 1994 abgeschlossen wurde, erhielt die Kirche ihr heutiges Erscheinungsbild.
Seit 2001 gehört die Kirche „Zur frohen Botschaft“ zur Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lichtenberg. Gemeinsam mit unseren Kirchen in Friedrichsfelde und Rummelsburg ist sie bis heute ein Ort für Gottesdienst und Gebet, Musik und Kultur, Begegnung und Gemeindeleben.