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Offene Kirche

Willkommen in der Offenen Kirche

Jubiläum – 60 Jahre Neubau der Dorfkirche Friedrichsfelde

Am 1. Adventssonntag jährt sich die Einweihung der Friedrichsfelder Kirche zum 60. Male. Anlaß genug, nicht nur die Geschichte dieses Gotteshauses, sondern auch der davor liegenden Jahrhunderte in Erinnerung zu rufen. Seit rund 750 Jahren steht an dieser Stelle eine Kirche, die 1265 erstmalig urkundlich Erwähnung fand.

Vor rund 1000 Jahren war der Barnim, also jenes Land rechts der Spree, zu dem auch unser Bereich gehört, von Wenden besiedelt. Um 1230 fällt die Herrschaft über den Barnim an den askanischen Markgrafen Albrecht den Bären. In diese Zeit fällt auch die planvolle Neusansiedlung von etwa 25000 Kolonisten und die Gründung der Angerdörfer wie das seinerzeitige 'Rosenfelde', das seinen Namen übrigens nicht der Pflanze, sondern wohl eher den 'Rossen' oder 'Rössen' verdankt – Wasserlachen in die Flachs zum verrotten oder eben 'verrossen' gelegt wurde.
Wie in allen Dörfern der Mark war auch in Rosenfelde das Leben ärmlich und hart, Pest und Seuchen dezimierten immer wieder die Bevölkerung. Dennoch war Rosenfelde nach Lietzendorf (dem heutigen Charlottenburg) das zweitgrößte Dorf der Region um Berlin und Cöln.

Vom kirchlichen Leben dieser Zeit wissen wir nichts. Längere Zeit vor der Reformation scheint die Pfarrstelle überhaupt nicht besetzt gewesen zu sein. Die Seelsorge wurde von Kaplänen und Priestern aus Berlin ausgeübt. Die Durchführung der Reformation vollzog sich im Barnim ohne Schwierigkeiten, nachdem 1539 der Kurfürst Joachim II. zur Lehre Luthers übergetreten war. Sie geschah in den einzelnen Gemeinden derart, dass auf Anordnung des Landesherrn jede Gemeinde von Visitatoren aufgesucht wurde. Sie hatten dafür zu sorgen, dass fortan evangelisch gepredigt wurde – was zunächst noch schwierig war, weil es in den ersten Jahren an ausgebildeten Predigern fehlte – und hatten in jeder Gemeinde genaue Protokolle über den Vermögensstand aufzuführen.

Aus diesem Protokoll erfahren wir, dass Rosenfelde damals 100 regelmäßige Abendmahlsgäste hatte und an kirchlichem Gerät einen Kelch, eine Monstranz und ein Kußtäfelchen besaß. Leider ist von diesen Geräten nichts erhalten geblieben. Als erster evangelischer Geistlicher wird ein Pfarrer Martin Golewinder genannt. Wir erfahren ferner, dass das Pfarrhaus verfallen ist, "die Leute sollen es wieder aufbauen", wie hoch die Einkünfte des Pfarrers waren – sie bestanden fast nur in Naturalien und sehr wenig barem Geld – und wieviel Ländereien zum Kirchenbesitz gehören, ferner, dass die Rosenfelder Gemeinde eine Filiale in Lichtenberg hat, die im Ganzen 300 Jahre zu Rosenfelde gehört.

Wie über das ganze Land bringt der Dreißigjährige Krieg auch über Rosenfelde Schrecken, Verwüstung und Pest und die Vernichtung der urkundlichen Nachrichten und Kirchenbücher. 1670 setzt das älteste, erhaltene Kirchenbuch mit folgender Eintragung ein: "Anno 1670 ist Gürge Massute Domenica (Sonntag) 21. nach Trinitatis mit Maria Erharts, Hans Erharts Fuhrmannes und Einwohners allhier eheleiblicher Tochter copulieret (verheiratet) worden."

Eine auch für den Kurfürsten peinliche Korruptionsaffäre bei Hofe, in die der damalige Schlossherr - ob durch Intrige oder tatsächlich bleibt ungeklärt – verwickelt gewesen sein soll, kommt Rosenfelde zu seinem neuen Namen. Da der Kurfürst die Spuren der Vergangenheit getilgt wissen will, benennt er das Dorf kurzerhand um und gibt ihm seinen eigenen Namen. Der davon ebenso wie die übrigen Dorfbewohner nicht wenig überraschte Pastor Donner trägt folgendes ins Kirchenbuch ein:
"1699 – Den 25ten january, nachdem das hiesige dorff, Rosenfelde vorhin benennet, an seine Churfürstliche Durchlaucht unsern gnädigsten Herrn wiederum anheimgefallen ist, der Nahme von Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht Friderico dem dritten geändert undt nach dero hohem Nahmen Friderichsfelde genennet worden, welches zur Nachricht hierher setzen wollen, undt habe solches auf Befehl seiner Churfürstlichen Durchklaucht, durch dero Resident Fuchs an mir mündlich geschah, Domenica 1.v.Epiph. von der Cantzel publizieren müssen. Samuel Donner, Pastor in fidem (d.h. für die Richtigkeit)."

Um 1718 wird die Kirche umgebaut und saniert, denn sie hatte schon während des Dreißigjährigen Krieges und in der Folgezeit sehr gelitten. Sie erhielt nunmehr die Gestalt, die bis zum Abriss am Ende des 19. Jahrhunderts den Ort prägte.
Nach Anweisung König Friedrich Wilhelms I. wurde in der Kirche (wie in den meisten anderen in Preußen auch) der Gottesdienst und das Abendmahl nach lutherischen wie reformierter Tradition gefeiert. Das Mißvergnügen der Geistlichen darüber war auch in Friedrichsfelde nicht gering, so dass sich der König zu einem Bescheid genötigt sah, der dem 'Pfaffengezänk' , das er nur für 'Possen' hielt, ein Ende setzte:
"Ich halte beide Religionen einerlei zu sein und finde keinen Unterschied, will also, dass es bei meiner ordre verbleiben soll." Eigenhändig fügte er hinzu: "Der Unterschied zwischen unseren beiden Evangelischen Religionen ist wahrlich ein Pfaffengezänk, es ist derselbige Glaube in allen Stücken, nur auf der Canzel da machen sie eine Sauce, eine saurer als die andere; im Gericht Gottes aber wird es nicht heißen: bist du lutherisch, bist du reformiert – es wird heißen: hast du meine Gebote gehalten? Gott gebe uns allen seine Gnade, dass wir mögen seine Gebote halten, und dass Gott möge zum Teufel schicken alle die, die Uneinigkeit verursachen. –Friedrich Wilhelm"

Für den Fortgang der Geschichte hätte es wahrscheinlich nicht nur in Friedrichsfelde nicht geschadet, hätten sich die Geistlichen diesen Satz in die Sakristei hängen müssen.

Nicht erst in der Neuzeit ist das Bauen in und um die Kirche eine Dauerbrenner. 1774 beklagt sich Pfarrer Damerow in der Kirchenchronik über den miserablen Zustand des Pfarrhauses, das letztlich 1860 abgerissen und durch das heutige ersetzt wird: "Das Dach war so schlecht, dass man das Wasser in die Stuben bekam…die schwellen waren verfault. Inwendig aber sah es noch kläglicher aus, so fürchterlich, das ich nicht wusste, ob ich hereingehen oder zurückbleiben sollte."

Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte Bevölkerungszuwachs ließ die alte Dorfkirche für den Bedarf deutlich zu klein werden. An Festtagen standen die Menschen regelmäßig bis weit in die Straße hinein, so dass man sich nach langen Verhandlungen mit der Regierung und dem Konsistorium zu einem Neubau entschloss, dessen Grundsteinlegung direkt neben der alten Kirche am Standort der heutigen, die auf ihren Grundmauern errichtet ist, 1887 erfolgte. Bis zum Abriss der alten Dorfkirche 1891 standen beide Kirchen nun nebeneinander.


Die Entwicklung Friedrichsfeldes schritt voran, so dass 1910 eine zweite und 1942 eine dritte Pfarrstelle eingerichtet wurden. In der Zeit des 3. Reiches wurde durch Pfr. Grüber auch in Friedrichsfelde eine 'Bekennende Gemeinde' gegründet. Allerdings gehörten Gemeinde und Pfarrer mehrheitlich den 'Deutschen Christen' an, was zu nicht wenigen Konflikten führte.

1943 im Dezember wurde die Kirche durch eine Luftmine schwer beschädigt und unbenutzbar. Im Januar 1944 brannte das Gemeindehaus z.T. nieder, im Mai erlitt das Pfarrhaus schwere Bombenschäden, gleichzeitig wurde der alte Friedhof verwüstet und die Kapelle beschädigt. Am Abend des 23. April 1945, als bereits sowjetische Truppen in Friedrichsfelde eingezogen waren, schossen deutsche Tiefflieger mit Brandbomben in den Turm und in die Kirche, die dann völlig ausbrannte.

Bis zur Wiederherstellung des Gemeindehauses im Mai 1946 fanden die Gottesdienste in der Friedhofskapelle statt.
Nach mühsamen Verhandlungen, die durch fehlende finanzielle Mittel und Mangel an Material sowie wegen der Nichterteilung der Baugenehmigung fast fünf Jahre in Anspruch nahmen, konnte 1950 der Neubau im Stil einer Dorfkirche beginnen. Etwas kleiner als die Vorgängerin bietet sie rund 500 Menschen Platz. Im März 1951 fand das Richtfest statt. Die Glocken, ursprünglich für den Kirchentag 1951 in Berlin gefertigt, wurden von der Gemeinde erworben. Am 1. Advent 1952 konnte die neue Kirche dann eingeweiht werden.
Im Altarraum zieren kunstvolle Fenster die Ostseite der Kirche, die ebenfalls 1952 entstanden sind. Die Schuke-Orgel ist sowohl für die Begleitung der Gemeinde als auch für konzertantes Spiel vielseitig disponiert.
Besonders dankbar ist die Gemeinde für die Heizung, die eine ganzjährige Nutzung ermöglicht und durch den Einsatz vieler Helfer und Pfr. Fred Bormeister ermöglicht wurde.
Durch die städtebauliche Entwicklung der 70er und 80 Jahre wird Friedrichsfelde zur größten Gemeinde Berlins und bekommt 1984 eine vierte Pfarrstelle zugesprochen. Allerdings hat sich das Umfeld nun auch nachhaltig verändert. Die Kirche verliert ihre bauliche Dominanz und wirkt nun eher klein zwischen den großen Wohnkomplexen.
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre entwickelt sich in der Gemeinde, ausgehend von einem Teil der evangelischen Studierendengemeinde und der sich bildenden Opposition in der DDR der 'Friedenkreis Friedrichsfelde'. Die aktive Arbeit zieht weite Kreise und macht Friedrichsfelde zu einem Zentrum der Bürgerbewegung, das eine große Anziehungskraft auf insbesondere junge und kirchenferne Menschen ausübt. Einerseits wächst die Hoffnung auf Selbstbestimmung und Reformen in der DDR, andererseits führt diese Arbeit auch zu erheblichen Spannungen in der Gemeinde, die polarisierend wirken. So kommt es 1988 zu einer Neubesetzung aller vier Pfarrstellen, der schwierige und langwierige Auseinandersetzungen voraus gehen. Das Verhältnis der Pfarrer untereinander gilt als zerrüttet. Es wird lange dauern, bis die entstandenen Verwerfungen verheilt sein werden. Nach der Wende verliert sich das politische Engagement der Gemeinde weitgehend.
Zum 40jährigen Fest der Einweihung wird die Kirche in Eigenarbeit renoviert, 1993 erfolgt eine bauliche Gesamtsanierung, 1999 wird die Orgel generalüberholt.
Mit Wirkung vom 1. September 2001 fusionieren die Gemeinden Friedrichsfelde, Barmherzigkeit, Erlöser und Zur frohen Botschaft in Karlshorst zur Paul-Gerhardt-Gemeinde, sie wesentliche Teile des Stadtbezirkes Lichtenberg umfasst.
Derzeit entsteht um die Kirche ein liturgischer Garten, der hoffentlich 2013 eingeweiht werden kann.
Die ersten Planungen für eine erneute Renovierung der Kirche laufen gerade an.
Die vielfältige Geschichte der Gemeinde in Friedrichsfelde/Rosenfelde zeugt von der Kraft, die durch alle Zeiten von Gottes Wort ausgeht und Hoffnung schenkt, die nicht zu Schanden wird. Mögen die Gemeindeglieder auch fürderhin gute Haushalter der mancherlei Gnade Gottes sein und das kirchliche Leben vor Ort weiter gedeihen.

Joachim G. Cierpka
Pfarrer
 

Zitate aus: Theodora Paeslack: 700 Jahre Friedrichsfelder Gemeinde

 

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